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Die STIKO empfiehlt die HPV-Impfung in Deutschland für Mädchen und Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren; versäumte Impfungen sollen vor dem 18. Geburtstag nachgeholt werden. Beginnt die Impfserie vor dem 15. Geburtstag, sind grundsätzlich zwei Dosen im Mindestabstand von fünf Monaten vorgesehen. Bei Beginn ab 15 Jahren sind drei Dosen erforderlich. Erwachsene ab 18 Jahren können nach individueller ärztlicher Prüfung ebenfalls profitieren, gehören aber nicht zur regulären STIKO-Nachholimpfung. Die Impfung verhindert neue Infektionen mit den enthaltenen HPV-Typen, behandelt jedoch kein bereits bestehendes HPV und keine vorhandenen Genitalwarzen.
Wovor schützt die HPV-Impfung bei Männern?
HPV-Impfstoffe richten sich gegen ausgewählte HPV-Typen, die mit HPV-bedingten Krebsvorstufen, Krebsarten und – je nach Impfstoff – Genitalwarzen verbunden sind. Der in Deutschland verfügbare neunvalente Impfstoff umfasst neben wichtigen Hochrisiko-Typen auch HPV 6 und 11, die für den Großteil der Genitalwarzen verantwortlich sind.
Die Impfung kann das Risiko unter anderem für HPV-bedingte Erkrankungen an:
- Penis,
- Anus,
- Mund- und Rachenraum
senken und bei entsprechender Impfstoffabdeckung Genitalwarzen vorbeugen.
Sie schützt nicht gegen jeden existierenden HPV-Typ und nicht gegen andere sexuell übertragbare Infektionen.
Behandelt die HPV-Impfung bestehendes HPV oder Genitalwarzen?
Nein. Die HPV-Impfung ist eine präventive Impfung. Sie entfernt kein HPV aus bereits infizierten Zellen und lässt vorhandene Warzen nicht verschwinden.
Bei einem Mann mit Genitalwarzen sind deshalb zwei getrennte Fragen zu beantworten:
- Wie wird die vorhandene Läsion diagnostiziert und gegebenenfalls behandelt?
- Ist die HPV-Impfung gemäß Alter, Impfstatus und individueller Situation sinnvoll?
Diese Prozesse ersetzen sich nicht gegenseitig.
In welchem Alter wird die HPV-Impfung für Jungen empfohlen?
Nach den aktuellen STIKO-Empfehlungen 2026 soll die HPV-Impfung idealerweise im Alter von 9 bis 14 Jahren erfolgen. Der frühe Zeitpunkt ist bewusst gewählt, weil die Impfung am wirksamsten ist, wenn sie vor möglichen HPV-Kontakten abgeschlossen ist.
Versäumte Impfungen sollen bis vor dem 18. Geburtstag nachgeholt werden.
Was gilt ab 18 Jahren?
Die STIKO weist darauf hin, dass auch ungeimpfte Personen ab 18 Jahren von einer HPV-Impfung profitieren können. Die zu erwartende Wirksamkeit kann jedoch geringer sein, wenn bereits Kontakte mit HPV stattgefunden haben.
Für Erwachsene erfolgt daher keine pauschale Nachholempfehlung wie bei Jugendlichen. Die Impfentscheidung wird individuell geprüft – beispielsweise anhand bisheriger Impfungen, zukünftiger Expositionswahrscheinlichkeit und zugelassener Anwendung des Impfstoffs. Auch die Kostenübernahme kann individuell zu klären sein.
Eine feste Behauptung wie „ab 27 Jahren bringt die Impfung nichts mehr“ ist für die deutsche Empfehlung nicht korrekt. Ebenso wäre es falsch, jedem Erwachsenen unabhängig von seiner Situation einen identischen Nutzen zu versprechen.
Wie viele HPV-Impfdosen sind erforderlich?
Nach STIKO 2026 ist das Alter bei Beginn der Impfserie entscheidend.
Beginn im Alter von 9 bis 14 Jahren
Für die Grundimmunisierung sind zwei Dosen erforderlich. Zwischen den Dosen soll ein Abstand von mindestens fünf Monaten liegen; die Fachinformation des verwendeten Impfstoffs ist zu beachten.
Beginn ab 15 Jahren
Wer die erste Dosis im Alter von 15 Jahren oder später erhält, benötigt insgesamt drei Dosen. Die konkreten Zeitabstände richten sich nach der Fachinformation des eingesetzten Impfstoffs.
Diese Seite gibt bewusst kein persönliches Impfschema vor. Impfpass, Alter bei der ersten Dosis, Präparat und bisherige Abstände müssen zusammen betrachtet werden.
Muss eine unterbrochene Impfserie neu begonnen werden?
In der Regel nein. Das RKI fasst das Prinzip als „Jede Impfung zählt“ zusammen. Bei längeren Unterbrechungen wird normalerweise nicht von vorn begonnen; vielmehr wird geprüft, wie viele Dosen entsprechend dem Alter beim Start der Serie noch fehlen.
Der Impfpass beziehungsweise eine Dokumentation früherer Dosen ist dafür wichtig.
Braucht ein Mann vor der HPV-Impfung einen HPV-Test?
Nein. Ein routinemäßiger HPV-Test vor der Impfentscheidung ist nicht erforderlich. Für Männer existiert kein allgemeiner Screeningtest, der zuverlässig den gesamten HPV-Status oder die Exposition gegenüber allen Impfstofftypen abbildet.
Ein Test kann außerdem nicht feststellen, gegen welche Impfstofftypen bereits eine schützende Immunität besteht.
Sichtbare Warzen oder andere Läsionen sollten unabhängig davon untersucht werden.
Kann ein Mann mit Genitalwarzen geimpft werden?
Eine bestehende Genitalwarze ist nicht automatisch ein Grund, auf die Impfung zu verzichten. Die Impfung behandelt die vorhandene Warze jedoch nicht.
Der mögliche präventive Nutzen bezieht sich auf HPV-Typen, mit denen die Person noch nicht infiziert ist. Die Warzenbehandlung sollte daher nicht mit dem Argument aufgeschoben werden, die Impfung werde das Problem lösen.
Ist eine HPV-Impfung nach Beginn des Sexuallebens noch möglich?
Ja. Sexuelle Aktivität ist keine grundsätzliche Kontraindikation. Allerdings nimmt der durchschnittlich zu erwartende Nutzen mit zunehmender Wahrscheinlichkeit früherer HPV-Kontakte ab.
Auch sexuell aktive Menschen haben nicht zwangsläufig Kontakt mit allen im Impfstoff enthaltenen HPV-Typen gehabt. Deshalb kann eine individuelle Impfung weiterhin sinnvoll sein.
Welche Nebenwirkungen sind möglich?
Die häufigsten Impfreaktionen sind lokal und vorübergehend, etwa:
- Schmerzen an der Einstichstelle,
- Rötung oder Schwellung,
- Kopfschmerzen,
- Müdigkeit,
- Muskel- oder Gelenkbeschwerden,
- leichtes Fieber,
- Übelkeit oder Schwindel.
Nach Injektionen kann besonders bei Jugendlichen eine Synkope auftreten. Deshalb wird nach Impfungen eine kurze Beobachtung im Sitzen oder Liegen empfohlen, um Verletzungen durch Sturz zu vermeiden.
Schwere allergische Reaktionen sind selten, müssen aber akut medizinisch behandelt werden.
Verursacht die HPV-Impfung Unfruchtbarkeit oder sexuelle Funktionsstörungen?
Für die Behauptung, HPV-Impfungen verursachten bei Männern Unfruchtbarkeit, erektile Dysfunktion oder Libidoverlust, gibt es keine belastbare Evidenz. HPV-Impfstoffe enthalten kein vermehrungsfähiges HPV und können keine HPV-Infektion auslösen.
Ein gesundheitliches Ereignis, das zeitlich nach einer Impfung auftritt, ist nicht automatisch durch die Impfung verursacht. Unerwartete oder schwere Beschwerden sollten unabhängig davon medizinisch beurteilt werden.
Wann sollte die Impfung verschoben oder nicht gegeben werden?
Eine frühere schwere allergische Reaktion auf eine Impfstoffdosis oder einen Bestandteil ist eine wichtige Kontraindikation. Bei akuter mittelgradiger oder schwerer Erkrankung kann die Impfung bis zur Erholung verschoben werden.
Vor der Impfung sollten insbesondere mitgeteilt werden:
- frühere schwere Impfreaktionen,
- bekannte schwere Allergien,
- immunsuppressive Erkrankungen oder Therapien,
- Blutgerinnungsstörungen beziehungsweise Antikoagulation,
- frühere HPV-Impfungen und deren Daten.
Bei Immunsuppression kann die Immunantwort geringer sein; das konkrete Vorgehen richtet sich nach medizinischer Situation und Fachinformation.
Ersetzt die Impfung Kondome?
Nein. Die Impfung deckt nicht alle HPV-Typen ab und schützt nicht vor anderen STI. Kondome können das HPV-Risiko reduzieren, verhindern eine Übertragung aber nicht vollständig, weil HPV auch an nicht bedeckter Genital- oder Analhaut vorkommen kann.
Wo kann die HPV-Impfung besprochen werden?
In Deutschland kann die Impfberatung unter anderem hausärztlich, kinder- und jugendärztlich, urologisch, gynäkologisch oder in anderen impfenden ärztlichen Einrichtungen erfolgen. Bei Erwachsenen ist die individuelle Nutzenabwägung besonders wichtig.
Bei sichtbaren Genitalläsionen sollte zusätzlich die passende Fachrichtung für die Läsion gewählt werden; siehe Welcher Arzt ist bei Genitalwarzen zuständig?.
Häufige Fragen
Kann ein HPV-positiver Mann geimpft werden?
Ja, eine bekannte HPV-Infektion schließt eine Impfung nicht automatisch aus. Die Impfung behandelt die vorhandene Infektion nicht; ein möglicher Nutzen besteht gegenüber noch nicht erworbenen Impfstofftypen.
Ist die HPV-Impfung für Jungen empfohlen?
Ja. Die STIKO empfiehlt sie für Jungen ebenso wie für Mädchen im Alter von 9 bis 14 Jahren. Fehlende Impfungen sollen vor dem 18. Geburtstag nachgeholt werden.
Reicht in Deutschland eine einzige HPV-Dosis?
Nein, nicht nach der aktuellen regulären STIKO-Empfehlung. Deutschland verwendet für 9- bis 14-Jährige weiterhin ein Zwei-Dosen-Schema. Die WHO lässt in bestimmten Programmen alternative Ein-Dosis-Schemata zu; das darf nicht mit der deutschen STIKO-Empfehlung oder EU-Zulassung gleichgesetzt werden.
Entfernt der neunvalente Impfstoff neun vorhandene HPV-Typen aus dem Körper?
Nein. „Neunvalent“ beschreibt die HPV-Typen, gegen die der Impfstoff gerichtet ist. Es bedeutet nicht, dass neun bestehende Infektionen behandelt werden.
Braucht man nach der Impfung einen Antikörpertest?
Nein. Eine routinemäßige Antikörperkontrolle nach HPV-Impfung ist nicht vorgesehen. Der Impfstatus wird über die dokumentierten Dosen und das passende Schema beurteilt.
Was passiert, wenn während der Impfserie eine Genitalwarze auftritt?
Die Warze wird nicht als Impfreaktion oder „durch die Impfung verursachtes HPV“ angenommen. Sie sollte unabhängig abgeklärt werden. Ob und wann die Impfserie fortgesetzt wird, wird anhand Impfstatus und medizinischer Situation beurteilt.
Hinweis
Diese Seite beschreibt die deutschen STIKO-Empfehlungen mit Stand 2026 und dient der allgemeinen medizinischen Information. Sie ersetzt keine persönliche Impfentscheidung, keine Prüfung der Fachinformation und keine individuelle Kostenklärung.
Quellen4 Quellen
2026
Robert Koch-Institut / STIKO. *Empfehlungen der Ständigen Impfkommission beim Robert Koch-Institut 2026*, aktuelle Fassung Juli 2026- Robert Koch-Institut (RKI). *HPV – Impfempfehlung: Antworten auf häufig gestellte Fragen*
- Robert Koch-Institut (RKI). *HPV-Impfung und HPV-Infektion – FAQ*
- Centers for Disease Control and Prevention (CDC). *Human Papillomavirus (HPV) Infection – STI Treatment Guidelines*